Mein neues Buch ist bestellbar (Die aktuellen, NEUEN Blogeinträge findet ihr unter diesem Beitrag!)

Ich freue mich, euch mein bisher umfangreichstes, persönlichstes und schönstes Buch zu präsentieren!

Im Buchhandel könnt ihr es unter der ISBN 978-3-7460 1449-4 bestellen.

Ich hoffe, dass es euch gefällt und ermutigt.

Passend dazu unser neustes Video auf YouTube:

Viel Spaß!

Risiken und Nebenwirkungen v. Rosa von Praunheim – „Durchdrehen!“

 

 

Wir haben dieses Jahr bei ACT drei Filme gemacht. Wir hatten keine Ahnung. Aber Rosa von Praunheim hat seine Spuren hinterlassen und uns ermutigt, es einfach zu versuchen. Das haben wir getan. Hier ein kleiner Einblick in die Highlights des vergangenen Projektjahres… Und: Ihr seid herzlich eingeladen unsere Filmpräsentationen zu besuchen:

14. Juni um 19.30 Uhr Premiere im Heimathafen Neukölln mit „Ich 2“ (und weitere Vorstellungen bis 27. Juni siehe Spielplan Heimathafen),

18. Juni um 20 Uhr im Moviemento Kino „Amers Geschichte“ und

25. Juni um 20 Uhr im Moviemento Kino „Unerhört – Geschichten aus Neukölln“. Weitere Infos auf www.act-berlin.de und im Spielplan Heimathafen Neukölln.

Und hier ein kleiner Einblick in unsere Arbeit:

In diesem Jahr wollten wir nicht nur Theater machen, sondern auch noch zwei Filme drehen. Noch nie habe ich in einem so kurzen Zeitraum so oft gedacht: Wir sind verrückt. Das schaffen wir nie. Und irgendwie ist auch Rosa von Praunheim schuld, der uns ermutigt hat, einfach los zu legen. Aber der ist ja auch verrückt. Insofern also noch verrückter, einem Verrückten Glauben zu schenken.

 

Und nun drehen wir seit September 2017 durch. Im wahrsten Sinne des Wortes. Was laut Drehplan eine Stunde dauern soll, dauert in Wahrheit sechs bis sieben Stunden. Hat uns niemand gesagt. So kommt es, dass wir nicht nur ganze Montage bis tief in die Nacht “durchdrehen”, sondern auch alle Feier-und Wochentage. Weil: Es reicht ja nicht, EINEN Film zu machen. Wir müssen ja gleich zwei Filme machen. (Insgesamt bei ACT dieses Jahr übrigens drei…denn auch Stefanie und Ruth drehen ja durch – mit dem Dokumentarfilm “Unerhört” – wir mit “Amers Geschichte” und “Ich 2” am Heimathafen).

 

Interessant, dass ich erst unterwegs beim Drehen merke, dass wir verrückt sind – aber da sind wir eben schon am Durchdrehen und es gibt keinen Weg zurück. Vom Schneiden ganz zu schweigen. Und dann wollen wir in zwei Filmen auch noch jeweils eine ganze Geschichte erzählen. Anschluss Anschluss Anschluss: Falscher Pullover, Möbel an der falschen Stelle, falsches Wetter, falsche Reihenfolge, falsches Licht, scheiße, es regnet, und jetzt geht auch noch die Sonne einfach unter! Jetzt schon! dabei brauchen wir doch einfach nur noch diese EINE Einstellung, – und der Ton, der Ton…! FUCK – der Ton!

 

Daneben Ärger mit der Polizei, LALÜ-LALA, Alltag in der Sonnenallee, wieder LALÜ-LALA, verpatzte Aufnahme die 702., eine Anzeige wegen Körperverletzung, ein mit blut-roter Farbe voll geschmiertes ACT Lab, wieder Polizei, Geschrei im Krankenhaus, ein Abend beim Berliner Krisen-Notdienst, Liebeskummer, Tränen, ein Strafzettel, ein Sarg, eine ungewollte Schwangerschaft, Familienkrach, Ärger in der U-Bahn, wo ist Yusuf?, Sinan ist zu spät, Scheiße, der Supermarkt hat zu – ach ja, heute ist ja Feiertag!, Grippewelle, alle Dateien abgestürzt, … und immer wieder zur Beruhigung Hähnchen beim Chicken Grill in der Sonnenallee… und immer wieder ein Mikro im Bild, scheiße… – alles noch mal! Uuuund- BITTE!

 

Und das alles, obwohl niemand von uns weiß, wie man einen Film dreht. Andererseits ist der verrückte Rosa ja der Ansicht, dass man nur lernen kann, Filme zu machen, indem man sie dreht. Durchdreht. Alles klar. Können wa machen! Wer dann durchdreht, ist selbst schuld. Lektion des Meisters verstanden. Allerdings sind wir ganz ohne Meister ausgekommen. Und: Wir leben noch. Und mit Drehen sind wir jetzt durch. Nun wird “nur noch” geschnitten. Nur noch. Schlafen haben wir (natürlich) abgeschafft. Schlafen ist was für Feiglinge. Und allmählich werden wir verrückt. Aber in diesem Sommer gibt es Theater UND drei Filme von ACT. Uuuuund….BITTE!

Alle ACT – Produktionen mit Terminen und Flyern findet Ihr hier. Ich freue mich auf Euch!

 

TERMINE

24. Mai 2018

Filmvorführung:
ACT! Wer bin ich?
Lesung: Befreit Euch!
Café Ludwig
Beginn 20 Uhr
Anzengruberstraße 3
12043 Berlin-Neukölln

 

 

 

14. Juni 2018

Premiere
Ich² – more human than humans?

Heimathafen Neukölln
Beginn 19.30 Uhr
Karl-Marx-Str. 141
12043 Berlin
Folgevorstellungen:
15.-17., 21.- 24., 26., 27. Juni 2018

Zur Kartenvorbestellung hier klicken

 

18. Juni 2018

Premiere
Amers Geschichte

Moviemento
Beginn 20:00 Uhr
Kottbusser Damm 22
10967 Berlin

Reservierung unter karten@act-berlin.de

 

Abschaffen der Noten – Hier eine Lösung

In meiner neuen Folge 19  der Serie „Rede mal ordentlich, Frau Plath“ erkläre ich, wie wir meiner Ansicht nach die Noten abschaffen können. Und so lange es noch nicht so weit ist, könnt ihr zumindest schon mal diese Form des Feedbackverfahrens einführen und schrittweise aufbauen. Denn je mehr Menschen so arbeiten KÖNNEN, desto wahrscheinlicher wird es, dass sich die Noten von selbst erledigen.

Und dahinter liegt natürlich das große Thema „Führung statt Herrschaft“: Nicht EINE Person wertet und beurteilt, sondern ALLE werden schrittweise ermächtigt, zunehmend differenziertes, anspruchsvolles und individuelles Feedback zu geben. Auf diese Weise erschaffen wir innovative Felder, in denen alle voneinander lernen und sich der Lernzuwachs insgesamt potenziert.

Es braucht zunächst eine Person, die die Führung – und somit die Verantwortung übernimmt (die „Schildkröte“, siehe Folge 16 „Herrschaft oder Führung“). Aber der Clou ist, dass diese Person von Anfang an die Koordinaten der demokratischen Führung transparent macht und schrittweise einen Prozess auf den Weg bringt, der langfristig dazu führt, dass ALLE demokratisch führen können.

Insofern muss die „Schildkröte“ zunächst selbst führen und schrittweise Führungskompetenz vermitteln. So lange, bis ihre Führung nicht mehr benötigt wird.

Das ist der Unterschied zwischen „autoritär und wertend führen“ (Herrschaft) und „demokratisch führen“ (Führung).

Wenn ich beispielsweise einige unserer ACT Workshops an meine ACT Kolleginnen abgebe, ist das aus meiner Sicht nur konsequent: Ich versuche immer wieder neu die „Schildkröte zu machen“ und weiter zu geben, wie das geht.

Derzeit sehe ich deshalb eine weitere meiner Aufgaben beim Aufbau des ACT Labs, wo es mir darum geht, Jugendliche schrittweise dahin zu führen, dass sie selbst führen lernen und dies wiederum selbst weiter geben können (ACTeure Programm). „Schildkröte“ zu sein bedeutet, nicht auf kurzfristige Ziele zu setzen, sondern einen langen Atem zu haben. Die Schildkröte „verschwendet Zeit“, um dann unendlich viel Zeit zu gewinnen.

Und das Schönste wäre, wenn das immer und überall so weiter geht. Ad infinitum. Denn je mehr Menschen nach diesem Prinzip führen, desto mehr verantwortliches Handeln haben wir in der Welt.

Das motiviert mich. Es ist schön, auf ein sinnvolles Ziel hin zu arbeiten und die Fortschritte zu sehen. Auch, wenn es manchmal mühsam oder stressig ist. Es dauert. Aber es ist geil. Ich kann es euch also nur empfehlen.

Wenn ihr euch also das nächste Mal über Noten, über hierarchische Systeme, über ungleiche Machtverhältnisse und uneinsichtige Patriarchen aufregt, denkt an die Schildkröte… und schaut euch diese Folge an…:

Eine Lösung zur Abschaffung der Noten (und aller anderen Probleme…, nur ein halber Scherz…)

https://youtu.be/lBQkMjLbX2Q

 

Wie wir die Noten abschaffen – Führung durch „Schildkrötenprinzip“

Die Noten sind die heilige Kuh des Schulsystems, ich weiß. Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir sie abschaffen müssen. Denn Noten verhindern selbständiges Denken.

Wenn ich bei jedem Gedanken, den ich fasse, vorher immer den Impuls habe zu fragen: Wieviele Zeilen soll ich schreiben? Was halten Sie von meiner These? Welche Literatur soll ich lesen? Darf ich im Netz recherchieren, usw, usw, kurz: WAS MUSS ICH TUN, DENKEN UND SAGEN, um eine GUTE NOTE zu bekommen, dann ist das Ganze von vornherein eine Erziehung zur Unmündigkeit.

Auf diese Weise kann sich selbstständiges Denken nicht entwickeln, geschweige denn entfalten.

Wer aber in unserem Schulsystem in irgendeiner Form vom „Erwartungshorizont“ abweicht, wird als Störung wahrgenommen und mit defizitärem Blick betrachtet. Wer selbständig denkt und handelt, wird sanktioniert. Es soll Bitteschön immer nur „im Rahmen“ selbständig gedacht und gehandelt werden. So aber kann niemand lernen, was selbständiges Denken in Wahrheit bedeutet – und wie bedrohlich sich das erstmal – für einen selbst! – anfühlt.

Dass wir uns das selbständige Denken abgewöhnt haben, und/oder selbständiges Denken im ersten Impuls ablehnen, wenn wir bei anderen darauf stoßen (was macht DIE denn? Das geht ja GAR NICHT!…), dafür kann niemand etwas, so sind wir sozialisiert und abgerichtet worden.

Aber unsere Welt verändert sich gerade. Demokratie wirklich leben und produktiv und stark werden zu lassen, erfordert Menschen, die selbständig denken können. Mehr denn je.

Deswegen müssen wir erstmal SELBST anfangen, selbständig zu denken. Das bedeutet: Eine eigene Meinung besitzen, den Mut haben, diese öffentlich zu äußern und auch gegen Widerstände und anspruchsvolle Gegenargumentationen verteidigen zu können.

Wenn wir jungen Menschen das beibringen wollen, müssen wir das auch selbst können. Können wir das?

Was denkst DU denn z.B. – ehrlich –  zur Sinnhaftigkeit der Noten? Warum sagst du nicht laut im Lehrerzimmer, was du selbst dazu denkst?

Demokratie bedeutet nicht, anonym im Netz den eigenen Frust abzureagieren, sondern einen klaren, ehrlichen Gedanken zu fassen, diesen öffentlich argumentativ verteidigen und eventuell sogar konstruktive Alternativvorschläge machen zu können.

Demokratie wäre stärker und schöner, wenn wir uns trauen würden, wieder auf anspruchsvollem Niveau diskursiv zu streiten. Mit Argumenten, nicht mit Beleidigungen. Das ist eine hohe Kunst. Meistens schaffen wir es nur wenige Sekunden, bis sich das erste Demütigungsgefühl einstellt. Wir sind nicht sonderlich geübt.

Streiten heißt nicht das Gegenüber herabzusetzen. Streiten heißt, ein Thema in der Tiefe von allen Seiten und Perspektiven ausloten und hinterher noch mehr wissen als vorher. Dazu ist aber erstmal selbständiges Denken die Grundvoraussetzung.

Genau DAS trainieren wir aber den jungen Menschen in der Schule seit Jahrzehnten systematisch ab.

„Was muss ich machen, damit ich eine „1“ bekomme, Frau Plath? Ist mein Satz richtig, mein Bild schön, bekomme ich ein Like???“

 

Ja, Leute, wir müssen aufhören, immerzu nach Bestätigung zu lechzen.

Nicht nur unser Schulsystem bringt uns bei, immer die äußere Bestätigung zu suchen (war das richtig? warum guckt die jetzt so? hat da jemand gelästert? darf ich das sagen?…).

Fast überall werden wir zunehmend abhängig von äußerer Bestätigung, vom like „der anderen“ – nicht nur bei Facebook.

Wann hast du dir das letzte Mal eine ganz eigenständige Entscheidung geleistet, die bei anderen auf Unverständnis gestoßen ist…?

Wer eine eigene Meinung kenntlich macht, merkt, dass dann nämlich NICHT sofort ein Like kommt, manchmal sogar richtig krasser Gegenwind und Ärger… Davon weiß ich was…

Aber: Eine eigene Meinung ist der Anfang von allem. Es ist der eigene Schritt aus der Sokrates/Platon-Höhle, der berühmten, ihr wisst schon, mit den Schatten, usw. – Höhlengleichnis…

Und ganz konkret könnt ihr anfangen zu trainieren: Denn der Mut zum  selbständigen Denken erfordert eine innere Hochstatus-Haltung, also ein hohes Selbstwertgefühl – und damit sind wir wieder am Anfang dieser und der nächsten Rede-mal-ordentlich-Folge… beim Aufbau des Selbstwertgefühls („innen hoch“) als Schlüssel zum Gelingen der demokratischen Führung  (Folge „Herrschaft oder Führung“, Führungsprinzip der Schildkröte…).

Und natürlich ist mein gesamtes Konzept ein einziger großer konkreter Vorschlag, wie wir selbständiges Denken initiieren, entfalten und zur Grundlage von verantwortungsvoller (Schildkröten-) Führung machen können, – siehe „Befreit euch!“, siehe Workshops, siehe alles bei ACT.

Und genau, kleiner Tipp am Schluss: Ab Mitte Juni könnt ihr all unsere Theater-Vorstellungen, Film-Premieren und Präsentationen besuchen: Alle Termine  auf www.act-berlin.de und im Spielplan Heimathafen Neukölln! (Unsere Produktion dieses Jahr am Heimathafen heißt: „Ich2 – More human than humans?“) Kommt vorbei!

Und hier der Link zur neuen Folge: Wie wir die Noten abschaffen! Teil 1

https://youtu.be/4SCj1nccwB0