2015

The King’s Speech

Für all diejenigen, die das Status-Thema inzwischen für sich entdeckt haben, hier ein unterhaltsamer Status-Einblick in einen sehr schönen, bekannten Film:

Der britische Kinofilm „The King’s Speech“ eignet sich auf besondere Weise für eine umfassende Status-Analyse und veranschaulicht dabei einen sehr gelungenen pädagogischen Prozess. In seinen unablässigen Statuswechseln zwischen dem „Lehrer“ (Lionel Logue) und dessen „Schüler“ (König George VI.) verdeutlicht er in unterhaltsamer und zugleich sehr aufschlussreicher Weise, welche Konflikte pädagogische Prozesse in sich tragen und wie sie durch das Statusverhalten des Lehrenden in meisterlicher Weise gelöst werden können.

Dies mag auf den ersten Blick abstrus erscheinen: Handelt es sich hier doch um die wahre Geschichte des britischen Königs George VI. und einem unbedeutenden alten Schauspieler, der dem König dabei hilft, sein Stottern zu überwinden. Doch diese Geschichte ist der klassischen Lernsituation bei genauerem Hinsehen sehr nahe. Im folgenden spreche ich von „Lehrer“ und „Schüler“, da es mir um das klassische Setting geht: Der eine soll dem anderen etwas „beibringen“, bzw. eine Entwicklung anstoßen und befördern, die immer neue Erkenntnisse und emanzipatorische Prozesse in Gang setzt.

Der lange Weg – von der destruktiven zur produktiven Störung

Folgender Beitrag ist jetzt in der aktuellen Zeitschrift „Schultheater“, Ausgabe „Störungen“ (4. Quartal 2015, Bestell-Nr. 545023, Friedrich Verlag) erschienen:

Der lange Weg – von der destruktiven zur produktiven Störung

(Im Folgenden wird der Verständlichkeit wegen nur die männliche Form benutzt. Ich weise aber ausdrücklich darauf hin, dass ich grundsätzlich alle Geschlechter meine).

Sich an den Rand setzen („keinen Bock“), wild durch den Raum toben, sich in die Theater- oder Fenstervorhänge einwickeln, die Warm-Up-Bälle klauen und damit die anderen abwerfen, mit dem Handy spielen, die anderen herumschubsen, auslachen und provozieren: Es gibt viele Arten, den Unterricht zu stören. Die meisten haben mit der Angst vor Statusverlust innerhalb der Gruppe zu tun.

Störungen können einen künstlerischen Prozess völlig unmöglich machen. Als Theaterlehrer müssen wir uns die Rolle des „Ermöglichers von künstlerischen Prozessen“ zunächst einmal hart erarbeiten – indem wir die Ursachen von destruktiven Störungen, die auf der sozialen Ebene stattfinden, verstehen und schrittweise beheben.

Zur Geschichte von Ali Brown und wofür dieser Prozess mit Ali ein Beispiel ist

Zur Arbeitsweise von ACT: Wie schaffen wir Beziehungen, in denen wir schneller voneinander lernen?

Das gesamte Konzept des Partizipativen Theaterunterrichts und insgesamt des Partizipativen Lernens und Kreierens bei »ACT! – Führe Regie über dein Leben« lässt sich auch wie folgt beschreiben:

Die Konzept-Säulen von ACT »Beziehung« und »Partizipation« bedingen einander. Denn durch die Bereitstellung von Feldern offenen Wissens und spielerischen Zugängen dazu im Kollektiv, in Interaktion, mit gemeinsamer Zielsetzung entstehen vielfältige Beziehungen.

Da unser Gehirn ein sozial tickendes Organ ist und wir durch lebendige Interaktion und beständigen Informationsaustausch unendlich viel mehr lernen als allein, ist diese Verkoppelung der beiden Säulen die Startrampe in ein geradezu »explodierendes«, sich immer weiter potenzierendes Lernen.

Grundvoraussetzung ist es, die existierenden, verschiedenen Referenzsysteme, auf die sich die einzelnen Gruppenmitglieder beziehen, nicht in Konkurrenz zueinander zu bringen.