2016

Zombie-Apokalypse II

Nach dem Essay haben uns viele Rückmeldungen und Fragen erreicht. Danke dafür! Im Mittelpunkt stand die Frage nach dem WIE? Wie vergeben? Wie konkret? Wie trotzdem etwas dagegenhalten – gegen Wut und Hass? Hier kommt die Fortsetzung: Vergebung ganz konkret:

Zombie-Apokalypse Teil 2:
KONKRET REDEN: Zum „Konzept der Vergebung“

In der Weiterbildung „LernKünste“ fragte mich neulich eine Teilnehmerin: Was machst du denn eigentlich in deinen Probenprozessen, wenn du jemanden in deiner Gruppe überhaupt nicht magst, wenn eine Person dir persönlich einfach richtig auf den Zeiger geht?

Für einen Augenblick war es still im Raum, weil alle an Situationen dachten, in denen sie bestimmten Jugendlichen einfach keine Sympathie mehr entgegenbringen konnten. Ein Tabu. Aber wir wissen alle, dass es diese Momente gibt.

Ich selbst denke an die vielen Situationen in meiner Anfangszeit an der Schule in Neukölln zurück, wenn ich nach gefühlten Stunden der Geduld und immer neuen Versuchen, die Gruppe zu motivieren vor beispielsweise einer Schülerin stehe, die mir mit provozierend verächtlichem Blick mitteilt: „Theater ist einfach Scheiße, macht gar keinen Spaß. Immer die gleichen doofen Babyspiele…“ und dann, wenn in meinem Gesicht irgendeine Regung zu sehen ist, legt sie noch mit blasiertem Tonfall nach: „Oh man, und jetzt sind Sie gleich wieder beleidigt, Sie sind so ne Muschi, echt typisch Lehrerin, komm mal klar mit deinem Leben…“

Zombie-Apokalypse I

Was ich in diesem Jahr als völlig neue Erfahrung erlebe, ist die Konfrontation mit Hass. Das geht nicht spurlos an mir vorbei. Hier ein Essay von mir zum Thema:

Zombie-Apokalypse oder Kraftakt der Vergebung?

Am 3. Oktober 2016, dem Tag der deutschen Einheit, war ich in Dresden zum Festgottesdienst in der Frauenkirche und anschließend zum Festakt in der Semperoper eingeladen. Wie alle anderen Gäste konnte ich den Eingang zur Frauenkirche nur durch ein Hassspalier erreichen: Hunderte aufgebrachte Menschen beschimpften mich auf seltsam persönliche Weise mit „Du Fotze!“, „Hau ab!“, „Volksverräterin!“, usw.

Zuerst dachte ich: Ein solcher Hass ist mir bislang in meinem Leben noch nicht entgegen geschlagen. Später erinnerte ich mich: Doch – das erlebe ich in diesem Jahr schon zum zweiten Mal – diesen seltsam unerbittlichen Hass. Doch dazu komme ich später.

Endlich in der Frauenkirche angekommen, bemerke ich, dass ich Herzrasen und zitternde Beine habe – für einen Moment fühlt es sich so an, als müsste ich in Tränen ausbrechen.

Dieser direkte und ungebremste Hass hat etwas Schockierendes.

Wo kommt das her? Und was hat das zu bedeuten? Wie kann und soll man auf eine solche Erfahrung reagieren?

Wie lernen wir wieder – konkret! – Demokratie??

 Ein Konzept für die tatsächliche Praxis

„Das Gesetz der inneren Grenze“:
Einsatz der vier Korrektiv-Karten Tempo, Klarheit, Verantwortung und Veto

Menschen können kooperieren oder konkurrieren. Beides zusammen geht nicht. Wenn ich in Konkurrenz zu jemandem stehe, verfolge ich eine fundamental andere Strategie, als wenn ich mit jemandem kooperiere.
Unser derzeitiges Schulsystem begünstigt Konkurrenzverhalten.
Welche Konsequenzen ergeben sich daraus – persönlich für die Heranwachsenden und insgesamt für unser gesellschaftliches Zusammenleben?