Wir haben in Deutschland ein Problem mit dem Begriff „Autorität“. Im Bereich Bildung behaupten alle – zugespitzt -, dass autoritäre Verhaltensweisen doch längst überwunden seien und doch schon lange eine sogenannte „Kuschelpädagogik“ herrsche. Diese unsinnige Polarisierung zeigt mir immer nur, dass etwas Wesentliches nicht verstanden wird. Das konnte ich insbesondere in Neukölln an sogenannten Brennpunktschulen erleben: Offenbar vertraut Deutschland seiner anspruchsvollen und viel beschworenen Pädagogik nur so lange, wie alles „normal“ ist im Klassenraum. Sprich: Nur so lange, wie sich ausreichend viele Jugendliche anpassen. Ausgerechnet in dem Moment aber, wo diese anspruchsvolle Pädagogik sich beweisen müsste, nämlich da, wo es wirklich „schwierig“ – nämlich WIRKLICH divers wird – da wird dann plötzlich doch auf autoritäre Maßnahmen zurück gegriffen: Sanktionen, Ausschluss, Bestrafung. Das durfte ich jahrelang an Schulen in Neukölln erleben, wo mir Lehrkräfte erklärten: Mit DIESEN Schüler*innen geht das eben nicht. Da „muss man hart durchgreifen“. Aha. Ich bin anderer Meinung. Ich denke, wir sollten noch mal genauer hinschauen, ob bei uns nicht einiges durcheinander geht bei der Verwendung der Begriffe „autoritär“ oder „partizipativ“ oder „streng“ oder „demokratisch“ oder „Kuschelpädagogik“ oder oder. Denn dieses ganze Thema ist deswegen so spannend, weil es mit uns allen zu tun hat – mit unserer Gesellschaft und mit Entwicklungen, die sich lohnen, genauer angeschaut zu werden… Viel Spaß mit der neuen Folge Nr. 16  zu Herrschaft oder Führung bei „Rede mal ordentlich, Frau Plath!“